Mobilität und interkulturelle Kompetenzen fördern

boeh 160614 franzoesische metallwerkstattText: Bernd Ziegler Foto: Norbert Böhm

Eine E-Mail initiierte die Kooperation: „Die Landesakademie Esslingen sucht im Rahmen der Akademie der Beruflichen Bildung (ABB) eine deutsche Partnerschule für den Austausch mit einer französischen Partnerschule (Lycée Professionel Etienne LEGRAND in Le Coteau) in der Nähe von Lyon für den Bereich Metall.“ Nutznießer der Kooperation sind junge Menschen in Deutschland und Frankreich: Sie fördert die Mobilität zwecks einer besseren beruflichen Eingliederung. Dafür baut sie ein deutsch-französisches Netzwerk von Schulen und Unternehmen auf und vertieft dabei die deutsch-französische Freundschaft.

Ein Vorbereitungstreffen: Letzten November trafen sich Teilnehmer beruflicher Schulen in Baden-Württemberg und aus der Region Dijon, Lyon, Strasbourg, um sich kennenzulernen und gemeinsame Projekte auszuloten und diese im Tandem zu erarbeiten. Die Lehrer beider Schulen, Le Coteau und Schwäbisch Hall, haben sich sofort sehr gut verstanden: Einer Partnerschaft mit gemeinsamen Projekten und gegenseitigen Besuchen konnte beginnen.

Ende Februar steht die Finanzierung: Die Region Dijon, Lyon, Strasbourg hat der Partnerschule in Le Coteau finanzielle Unterstützung zugesichert. Anfängliche Zweifel, ob das Projekt um ein Jahr verschoben werden solle, waren schnell verflogen. Das Motto lautete: „Jetzt oder nie!“. Der zeitliche Rahmen für die Feinplanung war sehr ambitioniert. Die Schulen stimmten sich über Telefon und Internet ab und tauschten Zeichnungen per E-Mail aus, um die Durchführbarkeit des Projekts „Sitzgruppe“ zu gewährleisten.

Projekt „Sitzgruppe“: Die Sitzgruppe wurde aus Metallprofilen und Kunststoffsitzschalen in den Farben der Nationalflaggen hergestellt. Der Grundrahmen öffnet sich in Form einer Evolvente kurvenförmig (entsprechend einem Schneckenhaus). Die Anordnung der Farben der Nationalflaggen sowie der Abstände der Sitze erscheinen chaotisch, unterliegen aber einer strengen Systematik. Die Sitzgruppe wird in einem Innenhof der Gewerblichen Schule Schwäbisch Hall aufgebaut und soll den Schülern während den Pausen einen angenehmen Aufenthalt ermöglichen. Die Flaggen von Deutschland und Frankreich werden durch die Anordnung der Sitzschalen wiedergegeben.

Besuch in Frankreich: Anfang April machen sich sechs Schüler und drei Lehrer in einem 9-Sitzer-Bus auf den Weg. Die Platzverhältnisse waren etwas beengt, dafür war die Stimmung umso besser. Nach 700 km waren wir endlich am Ziel. Nachdem das Quartier bezogen war, ging es zum gemeinsamen Abendessen. Die Schüler waren beeindruckt von den ersten Erfahrungen mit der französischen Esskultur. Dies wurde an den nächsten Tagen von der schuleigenen Kantine noch übertroffen. Jeden Tag wird das Essen an der Partnerschule von einem Koch frisch zubereitet und es gibt warmes Mittag- und Abendessen. Wie zu erwarten, gab es anfänglich zwischen den Schülern aufgrund der Sprache Verständigungsprobleme. Da aber an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet wurde, waren diese schnell überwunden. Die Konstruktionsmechaniker des dritten Lehrjahres waren stolz, den jüngeren französischen Metallfachschülern etwas zeigen zu dürfen. Diese waren sehr neugierig. Zu keinem Zeitpunkt kam Langeweile auf. Die Schultage in Frankreich gehen normalerweise bis 18:00 Uhr. Gemeinsame Ausflüge, Firmenbesuche, Spieleabende rundeten das Programm ab.

Toleranz und Völkerverständigung: Auf dem Rückweg machten wir einen Halt in den Vogesen. Die Schüler konnten am Hartmannswillerkopf einen Eindruck bekommen, wie es vor 100 Jahren war, als sich deutsche und französische Soldaten während des 1. Weltkriegs in den Schützengräben gegenüberstanden. Mit dem Wissen über die Ereignisse der damaligen Zeit hat jeder für die Begriffe „Toleranz und Völkerverständigung“ mehr Neigung und Verständnis.

Gegenbesuch in Deutschland: Ende April kommen sieben Schüler und drei Lehrer an einem verregneten Montagabend in Schwäbisch Hall an. Keiner hätte gedacht, dass es in dieser Woche noch mehrmals schneien würde. Fast hätten wir unsere Essensplanung um Glühwein erweitert. Die Verköstigung war mit mehr Aufwand verbunden, als in Frankreich, da eine Schulkantine in Baden-Württemberg im Allgemeinen aus Kostengründen nicht üblich ist. Daher hat ein Cateringservice die Essensversorgung übernommen. Dazu gab es noch Schwarzwälder Torte und LKW. Fast wäre das Projekt Sitzgruppe vor lauter Schlemmen nicht fertig geworden.
Betriebsbesichtigungen: Einen besonderen Eindruck bei unseren französischen Gästen haben die Betriebsbesichtigungen bei den Firmen Optima und Blechtechnik hinterlassen. Die Altstadt von Schwäbisch Hall wurde als wunderschön bezeichnet. Somit konnten wir es auch verschmerzen, dass das Abschlussgrillen auf dem Einkorn aufgrund des Wetters dieses Jahr ausfallen musste. Spontane musikalische Einlagen von Jo Härtig werden bei allen Teilnehmern unvergesslich bleiben.
Fazit: Die Gewerbliche Schule Schwäbisch Hall bedankt sich bei allen Betrieben herzlich dafür, Ihren Auszubildenden die Möglichkeit gegeben zu haben, diese Lebenserfahrung zu gewinnen. Mobilität und interkulturelle Kompetenzen sind in einer globalisierten Welt wichtige Eigenschaften, um im Berufs- und Geschäftsleben bestehen zu können. Die Gewerbliche Schule in Schwäbisch Hall, gehört jetzt zu den wenigen Schulen in Baden-Württemberg, die im gewerblich-technischen Bereich einen Schulaustausch mit Frankreich anbieten können. Ideen für die nächsten Projekte wurden bereits kurz angesprochen: Wir hoffen also, im nächsten Jahr wieder durchstarten zu können.